Katholischer Geheimtipp in Unterfranken

Eckartshausen, ein kleines Dorf mit etwa 400 Einwohnern, liegt nur vier Kilometer nördlich von Werneck und scheint auf den ersten Blick etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Doch verborgen in einem malerischen Tal hat dieses charmante Dorf eine bemerkenswerte Attraktion zu bieten: die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung. Über viele Jahre war sie der einzige Marienwallfahrtsort in der Region Schweinfurt und zieht bis heute zahlreiche Besucher an.

Filigraner Bau mit schlankem Turm

Die spätgotische Kirche, deren Grundstein im Jahr 1467 gelegt wurde, beeindruckt mit ihrem filigranen Bau und dem schlanken Julius Echter-Turm, der majestätisch auf einem Hügel über dem Dorf thront. Diese außergewöhnliche Architektur kombiniert monumentale Größe mit zarter Eleganz. Der Erhaltungszustand der Kirche ist bemerkenswert; sie wurde seit ihrer Vollendung nur sehr wenig verändert und bietet Besuchern einen authentischen Einblick in die Baukunst des 15. Jahrhunderts.

Marienfigur als Anziehungsort

Eine besondere Anziehungskraft geht von dem Gnadenbild in der Kirche aus. Der Legende nach entdeckte ein Schäfer in einem hohlen Apfelbaum eine Marienfigur, die, trotz Versuchen, sie zu entfernen, immer wieder an ihren Ursprungsort zurückkehrte. Dies wurde als göttliches Zeichen interpretiert, was zur Errichtung einer Kapelle an diesem Ort führte.

Die Herren von Thüngen, die als Bauherren dieser eindrucksvollen Kirche gelten, haben ihren Einfluss deutlich hinterlassen. Ihr Wappen schmückt das Netzgewölbe des Chores, und ihre finanzielle Unterstützung sowie die von anderen Adelsfamilien ermöglichten den ambitionierten gotischen Bau. Besonders erwähnenswert ist die Zuwendung von Susanna Hoffwartin, die im Jahr 1467 ein Stipendium stiftete, um den Gottesdienst zu Ehren Gottes und der heiligen Maria fortzuführen.

Nach der Errichtung des Chores zwischen 1460 und 1467 wurde das Langhaus um 1500 vollendet, und die Kirche fand ihren Abschluss im Jahr 1525. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ließ 1615 Renovierungen vornehmen und fügte dem Turm den beeindruckenden „Echter-Helm“ hinzu. Auch das sogenannte „Matzahäusla“, ein besonderes Portal für Frauen, die als ungezogen galten, zeugt von der interessanten Geschichte der Kirche.

Im Inneren der Kirche finden sich viele Kunstwerke, darunter ein Sakramentshäuschen, ein Taufbecken aus dem Jahr 1503 und farbige Glasgemälde.

Der Hochaltar, gefertigt um 1760, wird von einem prächtigen Baldachin überragt und zeigt das Pfingstwunder in einem beeindruckenden Gemälde von Franz Asam. Seit jeher ist der Gnadenaltar mit der Pietà, die aus der Zeit um 1450 stammt, ein Zentrum der Wallfahrt.

Die Verehrung Marias sowie die Anbetung des Kreuzes waren in Eckartshausen stets von großer Bedeutung. Ein bemerkenswertes Kreuzpartikel, das 1744 nach Eckartshausen kam, wurde dort regelmäßig verehrt. Am 14. September finden in der Kirche Kreuzandachten statt, die an diese alte Tradition erinnern.

Imposanter Kreuzaltar

Der imposante Kreuzaltar aus dem Spätrokoko zeigt eindrucksvoll die Kreuzigung Jesu und zieht die Aufmerksamkeit vieler Besucher auf sich.

Berichte aus den Jahren 1470 und 1497 belegen, dass die Kirche Mariä geweiht war. Die erste dokumentierte Wallfahrt fand allerdings erst 1576 statt. Trotz der sich wandelnden Zeiten ziehen auch heute noch im Sommer viele Pilger nach Eckartshausen, insbesondere während der Bittage und des Patroziniums am 2. Juli. Eine der ältesten Traditionen, eine Prozession aus dem Jahr 1666/76 nach einer Pest, wird jährlich am 8. September begangen. Der Höhepunkt des Wallfahrtsjahres bildet ein gemeinsamer Gottesdienst mit einer Lichterprozession aus den umliegenden Orten am 3. Oktober.

Die Kirche von Eckartshausen bleibt ein Ort des Glaubens und der Hoffnung, der Pilger und Besucher gleichermaßen anzieht. Votivbilder im hinteren Bereich erzählen von vielen Gebetserhörungen und zeugen von der tiefen Verbindung der Menschen zu diesem einzigartigen Ort.

Entdecken Sie die Faszination der Wallfahrtskirche in Eckartshausen und erleben Sie die Verbindung von Geschichte, Architektur und Spiritualität in diesem unvergesslichen Teil Unterfrankens.

Text und Fotos: photoauszeit.de/hw

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