Die Ursprünge des Klosters Oberztell lassen sich bis ins Jahr 1128 zurückverfolgen. In diesem Jahr wurde es auf Anordnung des Ordensgründers der Prämonstratenser, des heiligen Norbert von Xanten, als Doppelkloster ins Leben gerufen. Im Zuge der Säkularisation wurde die Abtei im Jahre 1803 aufgelöst. Die zugehörige Michaelskirche wurde profaniert und der gesamte Besitz enteignet. Dabei hatte die Gemeinschaft in den Jahrzehnten zuvor einen erheblichen Aufschwung erlebt. In dieser Zeit entwarf der renommierte Baumeister Balthasar Neumann den barocken Neubau des Klosters.

Im Jahr 1817 richteten Friedrich Koenig und Andreas Friedrich Bauer in den Klostergebäuden eine Druckmaschinenfabrik ein. Im Zuge dieser Umnutzung wurde die Kirche als Lagerhalle genutzt, wobei im Chorraum eine Dampfmaschine installiert wurde.
Nach dem Erwerb der Klosteranlage durch die Antonia Werr (1813–1868) gegründete Kongregation der heiligen Kindheit Jesu begannen Im Jahre 1903 die Restaurierungsarbeiten an der Kirche. Das Gotteshaus ist dem Erzengel Michael geweiht, der in der Überlieferung des ersten Buches Mose als der Engel beschrieben wird, der Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb und den Lebensbaum bewachte.
Die Kirche ist als dreischiffige Säulenbasilika konzipiert, zusätzlich mit einem Ostquerschiff und zwei Chortürmen ausgestattet. Die Vorhalle im Westen stammt im Kern aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die barocke Westfassade, die 1696 auf Anordnung von Abt Gottfried Hammerich im römischen Barockstil errichtet wurde, bildet einen schönen Kontrast zu den nach 1901 wiederaufgebauten Chor- und Chortürmen. Am 28. März 1905 läuteten wieder die Glocken. Der Maler Eulogius Böhler gestaltete die neue Kuppel mit Motiven, die sich an der franziskanischen Spiritualität orientierten.






Kunstwerke
Der linke Seitenaltar beherbergt ein wertvolles, verkleinertes Exemplar des Gemäldes „Madonna von Foligno“. Dieses Werk wurde 1512 vom italienischen Renaissance-Maler Raffael, dessen vollständiger Name Raffaello Sanzio da Urbino (1483-1520) lautet, für die Basilika Santa Maria in Aracoeli in Rom auf Geheiß von Papst Julius II. geschaffen. Auf dem Bild ist die Muttergottes abgebildet, die auf einer Wolke sitzt und ihr Kind im Arm trägt, umgeben von einer strahlenden In unserer neuen Reihe Kirchen und Klöster Unterfranken werfen wir einen Blick auf das Koster Oberzell bei Würzburg.Sonnenscheibe und einem Kranz von Engeln. Zu Füßen Mariens sind auf der linken Seite Johannes der Täufer und der heilige Franziskus zu erkennen, während auf der rechten Seite der heilige Hieronymus und Sigismondo dei Conti dargestellt sind, der das Originalgemälde in Auftrag gab.

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