Kann man von einer Enttäuschung sprechen, wenn die Erwartungen nicht hoch waren? Ja, weil die Hoffnung ja zuletzt stirbt.

Wer jetzt denkt, das sieht doch da ganz cool aus, dem müssen wir leider mitteilen, dass es sich um Fotos auf einem Bauzaun handelt, der sich an der Corniche, der wenn man aufs Meer blickt, schönen Promenade des Ortes entlangzieht. Irgendwann soll es hier einmal so aussehen. Vielleicht sollte TUI bis dahin warten, ehe man seine Gäste dorthin karrt.
Die Zitterpartie rund ums Visum hatte ich ja bereits in der Folge 1 beschrieben. Einige der Mitreisenden hatten Glück: Sie bekamen erst gar kein Visum. Andere bezahlen an Bord noch einmal viel Geld für ein Expressvisum.
Das ist Dammam
Wenn man einen Hafen auf der Orienttour der Mein Schiff 2 nicht braucht, ist das Dammam. Man findet die aus drei Städten zu einer zusammengefügte Stadt mit 2 Millionen Einwohnern auf 700 Quadratkilometern Ausdehnung an der Ostküste Saudi-Arabiens. In der Ostprovinz des Königreichs, deren Hauptstadt Dammam ist, liegt der Großteil des Ölvorkommens des Landes. Wohl auch deshalb ist Dammam der Sitz vom Saudi Aramco, der größten Ölgesellschaft der Welt.

Bereits in Jahre 1938 wurde dort Öl gefunden und damit begann die Geschichte des wirtschaftlichen Aufstiegs des Landes. In Dammam gibt es eine Universität und ein Museum.

Es bleibt die Frage, warum TUI ein Schiff seiner Flotte dorthin schickt? Sicherlich nicht wegen der Ölvorkommen, der Hochschule oder des Museums. Viele Mitreisende vermuten Petrodollars als Ursache des seltsamen Ausflugs. Es ist ja nicht nur so, dass die Destination nichts zu bieten hat. Dazu kommt die bedenkliche Menschenrechtssituation in dem Land, in dem auch noch Menschen hingerichtet werden. Unter anderem wegen „Störung des sozialen Gefüges und des nationalen Zusammenhalts“ und „Teilnahme an und Anstiftung zu Sitzstreiks und Protesten“, weiß Amnesty International. Wenn Ihr jetzt fragt: Warum bucht Ihr dann die Tour. Ganz einfach: Das Urlauszeitfenster gab nur diese eine Woche her und etwas journalistische Neugier war auch dabei.
Ihr seht, dass es tatsächlich nicht viel über den Ort zu berichten gibt, sonst würde ich nicht so viel drumherum schreiben müssen.

Los geht die Tour
Vom Hafen aus fährt uns der Bus – gleich der erste, der startet – durch wenig sehenswertes Gelände (gut, wir sind aus den letzten Tagen Anderes gewohnt) zur Corniche. Das, was man vom Ort sehen kann, ist spärlich.
Wir halten an einem Parkplatz vor einer Filiale der „amerikanischen Botschaft“. Im Fastfoodbereich sind die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA anscheinend noch nicht zerrüttet.

„Wenn ihr 20 Minuten in die eine Richtung geht, kommt eine Moschee, eine halbe Stunde in die andere Richtung auch.“ Das ist tatsächlich die Ansage, mit der die Scouts uns auf die Reise in das Abenteuer Saudi Arabien schicken. Nach etwa 10 Minuten finde ich auf dem kürzeren Moscheeweg ein ganz nettes und modernes Zentrum mit einigen Restaurants. Später entdecke ich dann die sehr kleine Moschee und finde eine Apotheke.
Noch schnell ein paar Fotos gemacht, damit ich Euch auch etwas zeigen kann. Dann, so nach 2 Stunden, steht mein Launebarometer eindeutig auf Schiff. Der Shuttlebus, der uns hierhin gebracht hat, ist schon wieder gut gefüllt. Kein Wunder. Weil ich wohl nicht der Einzige bin, den es schnell auf das Schiff zurückzieht, fährt er mir dann gleich vor den Nase weg. Also noch eine kleine Zwangsrunde drehen, bis der Bus mich dann endlich wieder aufs Schiff bringt.
Stress am Zoll
Noch eine kleine Begebenheit am Rande. Beim Auschecken aus Saudi-Arabien in der großen Halle der Passkontrolle stempelt eine junge Dame meinen Pass, den ich dann am Ausgang der Halle noch einmal vorzeigen muss. Der Zöllner blättert und blättert, vor und zurück, hin und her. Sein Blick wird immer grimmiger. Ich versuche ihn auf Englisch zu fragen, wo das Problem liegt. Er gibt mir irgendwie zu verstehen, dass etwas mit meinem Pass nicht stimmt. Da saudi-arabische Gefängnisse nicht so schön ein sollen, gerate ich ein wenig in Sorge. Sein Vorgesetzter tritt hinzu. Der kann wenigstens Englisch. Er sagt mir, ich solle ihm zeigen, an welchem Schalter ich gewesen bis. Wie gesagt: große Halle, viele Schalter. Und die junge Dame werde ich auch nicht erkenne, weil ich von ihr nur einen Sehschlitz mit Brille wahrnehmen konnte. Nach viel Schweiß fällt mir ein, dass es die Nummer 29 gewesen sein konnte. Die Dame erkennt mich offenbar wieder – gut, dass ich nicht so gekleidet bin, wie sie. Das Ende der Geschichte: Ihr Stempel war noch auf den Vortag eingestellt, das machte die Zöllner stutzig. Als unvergessliche Erinnerung habe ich jetzt gleich 3 Stempel im Pass: einen für die Einreise und zwei für die Ausreise.
Fazit: Das Einzige, was für mich an der Fahrt nach Dammam schön war, war der erholsame Seetag auf dem Weg von Abu Dhabi. Gibt es Ausflugsalternativen? Man kann die größte Oase der Welt besichtigen, für knapp 200 Euro pro Person bei einem vierstündigen Aufenthalt und ebenso langer Busfahrt. Für etwa 170 Euro für 6 Stunden) gelangt man zum Weltkulturzentrum Ithra und zur Heritage Village. (Inzwischen sind anscheinend noch andere Ausflüge dazu gekommen, die zur Zeit unserer Fahrt noch nicht im Angebot waren.)

Gott sei Dank geht es schon am Abend weiter. Ein ganzer Tag in Doha liegt vor uns und der verspricht interessant zu werden.
Mehr lesen
Folge 1: 1001 Nacht 2.0 mit Mein Schiff 2 entdecken
Folge 2: Start mit Hindernissen
Folge 3: Über den Dächern von Dubai
Folge 4: Dubai im Schnelldurchgang
Folge 5: Abu Dhabi – Ein Traum in Weiß
Folge 7: Doha – Entdecke das moderne Märchen






















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