Wer sich für Industriekultur interessiert oder ein vielseitiges Ausflugsziel im Ruhrgebiet sucht, findet auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen einen umfassenden Einblick in den Steinkohlebergbau und die Weiterverarbeitung zu Koks. Das weitläufige Gelände umfasst die ehemalige Zeche Zollverein mit dem markanten Doppelbock-Fördergerüst und die benachbarte Kokerei. Beide Anlagen sind heute Kulturort, Museumscampus und Freifläche zum Spazieren, Lernen und Fotografieren.

Erster Eindruck und Orientierung
Bereits beim Ankommen fällt die klare, geometrische Architektur auf: Backstein, Stahl, lange Förderbänder und streng symmetrische Fassaden. Von weitem ist das rote Fördergerüst von Schacht XII sichtbar. Die Wege sind gut ausgeschildert. Eine Ringpromenade führt als Rundweg um das Gelände. Dazwischen liegen Hallen, Türme und ehemalige Produktionsgebäude, die heute Museen, Ausstellungen und Veranstaltungsräume beherbergen.
Hintergrund: Geschichte, Architektur, UNESCO
- Bau und Stil: Schacht XII entstand zwischen 1928 und 1932 nach Plänen der Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer. Die Gestaltung orientiert sich an der Neuen Sachlichkeit: klare Linien, Funktion vor Ornament, wiederkehrende Raster. Wegen dieser Einheitlichkeit wird Zollverein oft als „schönste Zeche der Welt“ bezeichnet.
- Betrieb und Stilllegung: In der Zeche wurde Steinkohle gefördert; 1986 endete der Betrieb. Die Kokerei, in der Kohle zu Koks verarbeitet wurde, schloss 1993.
- Welterbe: Seit 2001 ist der gesamte Komplex UNESCO-Welterbe. Ausschlaggebend waren die beispielhafte Industriearchitektur, die Größe der Anlage und der Erhaltungszustand.
Rundgang über die Zeche Zollverein
Ein guter Startpunkt ist die frühere Kohlenwäsche. Die lange, orangefarbene Rolltreppe führt in das Ruhr Museum, das die Natur- und Kulturgeschichte des Ruhrgebiets zeigt. Von der Panoramaebene hat man einen weiten Blick über das Areal. In der Nähe befindet sich das Red Dot Design Museum im ehemaligen Kesselhaus. Dort werden ausgezeichnete Produktdesigns in industriellem Ambiente gezeigt. Auf dem Außengelände lassen sich die Förderbänder, Verladeanlagen und Gleise gut nachvollziehen. Tafeln erklären die Wege der Kohle vom Stollen bis zur Aufbereitung.
Zwischen Technik und Kultur ist es heute ein Ort mit vielen Nutzungen: Ausstellungen, Design-Events, Führungen und Konzerte. Dazwischen sind Freiflächen zum Verweilen entstanden. Der Kontrast aus rauer Industriehülle und neuer Nutzung macht den Reiz aus.
Besuch der Kokerei Zollverein

Die Kokerei liegt wenige Gehminuten entfernt. Hier wurde die aufbereitete Kohle in bis zu meterlangen Öfen zu Koks gebacken. Die Reihen der Ofenkammern, der Löschturm, Leitungen und Kühleinrichtungen geben ein anschauliches Bild des früheren Betriebs. Auf geführten Touren wird erklärt, wie die Hitzeprozesse funktionierten und welche Nebenprodukte entstanden. Im Sommer ist das Werksschwimmbad auf dem Kokerei-Gelände eine besondere Anlage zwischen alten Industriewänden. In der kalten Jahreszeit gibt es zeitweise eine Eislaufbahn. Abends sorgt die Beleuchtung der Rohrleitungen und Fassaden für eine eindrucksvolle Atmosphäre.
Atmosphäre und Fotopunkte
- Fördergerüst Schacht XII: klare Sichtachsen und Symmetrie, besonders bei tiefem Sonnenstand.
- Kohlenwäsche und Panoramaebene: Überblick über das Gelände.
- Kokerei bei Dämmerung: lange Rohrstränge und Ofenbatterien im Licht.
- Details: Nieten, Treppenläufe, Beschilderungen aus der Betriebszeit zeigen die Materialität und Handarbeit.
Praktische Tipps für den Besuch
- Anreise: Essen ist gut angebunden. Vom Hauptbahnhof fahren Straßenbahnen und Busse, u. a. die KulturLinie 107, zur Haltestelle Zollverein. Vor Ort gibt es ausgeschilderte Parkplätze.
- Eintritt: as Außengelände ist frei zugänglich. Für Museen und Sonderausstellungen gelten Eintrittspreise. Tickets am besten vorab online prüfen.
- Führungen: Sehr empfehlenswert. Es gibt thematische Touren durch Schacht XII und die Kokerei, teils auch zielgruppenorientiert (Architektur, Technik, Geschichte).
- Öffnungszeiten: Museen und Führungen haben feste Zeiten. Das Freigelände ist in der Regel ganztägig zugänglich. Aktuelle Angaben vor dem Besuch prüfen.
- Dauer: Für einen Überblick sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. Mit Museumsbesuch und Führung kann ein ganzer Tag sinnvoll sein.
- Kleidung: Bequeme Schuhe, wetterfeste Kleidung. Teile des Rundgangs sind im Freien und die Wege können lang sein.
- Barrierefreiheit: Viele Bereiche sind barrierearm, es gibt Aufzüge in den Museumsgebäuden. Einzelheiten vorab nachsehen.
- Essen und Trinken: Cafés und Restaurants auf dem Gelände, z. B. in der Nähe der Kohlenwäsche und im Bereich der ehemaligen Maschinenhallen.
- Beste Zeit: Wer fotografieren möchte, profitiert von Morgen- und Abendlicht. Die abendliche Beleuchtung der Kokerei ist sehenswert. Am Wochenende ist mehr Betrieb.
Warum sich der Besuch lohnt
Als „Pottkind“ muss man Orte wie Zollverein einfach lieben. Dort findet man Industriekultur in einer seltenen Vollständigkeit. Jeder Besuch ist ein Blick in die Geschichte einer liebenswerten Region. Die Verbindung aus Architektur, Technikgeschichte und heutigen Kulturangeboten macht den Ort vielseitig. Man erhält einen klaren Eindruck vom Arbeitsablauf unter Tage und über Tage und sieht zugleich, wie ehemalige Industrieanlagen sinnvoll weitergenutzt werden. Für alle, die das Ruhrgebiet entdecken wollen, bietet Zollverein eine konzentrierte, gut erschlossene Einführung in seine Geschichte und Gegenwart.
Alle Fotos entstanden bei einem Shooting der Facebookgruppe „Erlebnis Fotografie – einfach bessere Bilder“. Fotograf: Heinrich Wullhorst
























