Wir waren diesmal nur für eine Nacht in Frankfurt. Am späten Nachmittag kamen wir an, am Abend ging es mit den Kameras los und am nächsten Morgen wartete zum Abschluss noch einmal eine ganz andere Perspektive auf uns. Viel Zeit war das nicht. Aber für die Skyline braucht man manchmal gar nicht mehr.
Unser erster Weg führte uns zum Eisernen Steg. Der Klassiker gehört nicht ohne Grund zu den beliebtesten Fotostandorten der Stadt. Von hier bekommt man Main, Brücke und Hochhäuser gemeinsam ins Bild. Besonders interessant wird es, wenn man die Stahlkonstruktion des Stegs nicht nur als Standort nutzt, sondern bewusst in die Bildgestaltung einbezieht. Linien, Streben und Geländer geben dem Bild Tiefe und führen den Blick in Richtung Skyline.
Danach ging es am Mainufer entlang. Hier lohnt es sich, nicht nur nach dem einen großen Panoramabild zu suchen. Ein paar Schritte nach links oder rechts, ein tiefer Kamerastandpunkt oder ein Schiff im Vordergrund verändern das Motiv sofort. Gerade vom Sachsenhäuser Ufer aus lässt sich die Skyline sehr schön mit dem Main verbinden.
Später wollten wir näher heran. Also hinein ins Bankenviertel und unmittelbar unter die Hochhäuser.
Dort kam auch unser 11-mm-Fisheye zum Einsatz. Natürlich verbiegt ein solches Objektiv die Architektur kräftig. Aber genau darum ging es uns. Wenn man direkt am Fuß eines Hochhauses steht und die Kamera steil nach oben richtet, entstehen Perspektiven, die mit einem normalen Weitwinkel kaum möglich wären. Die gebogenen und stürzenden Linien sind dann kein Fehler, sondern Teil der Bildidee. Frankfurt darf auf solchen Bildern ruhig ein wenig unwirklich aussehen.
Wenn das Licht weniger wird
Gerade der Übergang vom späten Nachmittag in den Abend ist für Skyline-Fotografie spannend – fotografisch aber auch anspruchsvoll. Zwischen dem noch hellen Himmel und den bereits dunklen Bereichen am Main oder zwischen den Hochhäusern liegen schnell mehrere Blendenstufen.
Mit dem schwindenden Tageslicht wurde es fotografisch noch einmal interessanter. Die Lichter in den Hochhäusern gingen an, der Himmel behielt noch etwas Zeichnung und aus der Skyline bei Tageslicht wurde langsam „Mainhattan“.
Ein Teil unserer Aufnahmen entstand deshalb als HDR. Dafür nimmt man dasselbe Motiv mehrfach mit unterschiedlichen Belichtungen auf und fügt die Bilder anschließend zusammen. Ein guter Ausgangspunkt sind drei Aufnahmen mit −2, 0 und +2 EV. Wer mit fünf Aufnahmen arbeitet, hat noch etwas mehr Spielraum.
Unser Tipp: Wenn möglich ein Stativ verwenden, die ISO niedrig halten und darauf achten, dass sich der Bildausschnitt zwischen den Aufnahmen nicht verändert.
Und vor allem: Bei der späteren Bearbeitung nicht übertreiben. Ein gutes HDR muss nicht nach HDR aussehen. Es soll Zeichnung in den hellen Himmel und in die dunklen Bereiche bringen, ohne dass am Ende eine künstlich wirkende Stadtlandschaft entsteht.
Für die Restlicht- und Nachtfotografie gilt Ähnliches. Statt die ISO-Zahl immer weiter hochzuschrauben, lieber die Kamera aufs Stativ stellen und länger belichten. ISO 100 oder 200, Blende 8 und einige Sekunden Belichtungszeit sind ein guter Ausgangspunkt. Wer die typischen Lichtsterne an Laternen und anderen Lichtquellen mag, kann die Blende noch etwas weiter schließen.
Und wir würden auf jeden Fall im RAW-Format fotografieren. Gerade in der blauen Stunde steckt in den Dateien erheblich mehr Reserve, als das Kameradisplay zunächst vermuten lässt.
Frühstück mit Skyline
Nach unserem fotografischen Abend ging es zurück ins The Blasky Hotel & Rooftop in Sachsenhausen. Die Rooftop-Gastronomie war am Sonntagabend bei unserem Aufenthalt geschlossen. Den Blick von dort oben entdeckten wir deshalb erst am nächsten Morgen.
Und der hatte es in sich.
Zum Frühstück am Montagmorgen lag die Frankfurter Skyline vor uns. Nach den Bildern vom Eisernen Steg und vom Mainufer und den extremen Perspektiven unmittelbar unter den Hochhäusern sahen wir unser Motiv jetzt noch einmal aus einer völlig anderen Richtung und mit Abstand.
Genau das machte für uns den Reiz dieses kurzen Fototrips aus: Innerhalb weniger Stunden hatten wir dieselbe Skyline aus ganz unterschiedlichen Perspektiven und unter völlig unterschiedlichen Lichtbedingungen erlebt.
Und ein Frühstück mit diesem Blick ist natürlich auch keine schlechte Art, einen Montagmorgen zu beginnen.
Unser Tipp für einen fotografischen Kurztrip nach Frankfurt
Für Frankfurt muss man nicht zwingend ein ganzes Wochenende einplanen. Eine Übernachtung kann schon reichen, wenn man sich auf die Skyline konzentrieren möchte.
Wir würden am späten Nachmittag anreisen, zunächst zum Eisernen Steg und ans Mainufer gehen und dort den Übergang vom Tageslicht über die blaue Stunde bis in die Dunkelheit nutzen. Danach lohnt sich der Weg hinein ins Bankenviertel, um die Hochhäuser aus unmittelbarer Nähe zu fotografieren.
Als Ausgangspunkt können wir das The Blasky in Sachsenhausen empfehlen. Vom Hotel kommt man gut zu den Fotospots am Main – und am nächsten Morgen gibt es beim Frühstück auf dem Rooftop noch einen schönen Blick auf die Skyline dazu. Wer dort auch am Abend essen oder etwas trinken möchte, sollte vorher die aktuellen Öffnungszeiten prüfen: Bei unserem Aufenthalt war die Rooftop-Gastronomie am Sonntagabend geschlossen, am Montagmorgen war sie zum Frühstück geöffnet.
Einpacken würden wir ein normales Weitwinkel, ein leichtes Tele für verdichtete Skyline-Aufnahmen und – wenn vorhanden – ein extremes Weitwinkel oder Fisheye für die Hochhäuser. Dazu ein Stativ, ausreichend Speicherkarten und einen Ersatzakku.
Frankfurt hat uns in diesen wenigen Stunden gezeigt, dass man für eine kleine fotografische Auszeit nicht unbedingt weit reisen muss. Manchmal reichen ein Abend, ein Morgen, ein gutes Paar Schuhe und eine Kamera – und eine Skyline, die mit jedem Standort und jedem Lichtwechsel ein bisschen anders aussieht.


























