Welche Ausflüge und Touren, die für die Leser von 7berge7meere.com interessant sind, kann man eigentlich machen, wenn man auf der kapverdischen Insel Sal unterwegs ist? Was hat das kleine Eiland mit seinen 216 Quadratkilometern am nordöstlichen Rand der Kapverden zu bieten? Wahrscheinlich nicht viel denkt man, wenn man von einer flachen Insel mit Kalkplateaus und Dünenlandschaften liest, aus der lediglich kleinere Hügel und erodierte Vulkanschlote herausragen? Schon lange vor unserer Tour schauen wir im Internet nach, was es hier eigentlich für Ausflugsanbieter gibt und wir finden eine Deutsche, die seit vielen Jahren den Touristen ihre Insel zeigt. „Annes Info Point“ bietet Ausflüge an, die man schon von zu Hause aus ganz bequem buchen kann.

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Natur pur

Wir freuen uns heute auf das Naturerlebnis, das Anne im Internet mit dem Titel: „Ein Tag mit Freunden“ anpreist. Erst einmal ist es ein Tag mit Fremden, die sich, auf drei Pickups verteilen und sich auf den Weg machen. Schnell kommen wir mit den Mitfahrern auf unserem Gefährt ins Gespräch. Sie kommen aus Dorsten (natürlich Schalker) und aus Dinslaken (der Nachbarstadt). Also mehr Freunde geht ja fast gar nicht. Schon nach wenigen Minuten wird Annes Titel wahr.

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Der Löwenberg

Von den Hotels aus geht es in flotter Fahrt nach Murdeira. Die Sonne scheint schon in diesen frühen Morgenstunden, vor 10 Uhr heiß vom Himmel herab. Angenehme 28 Grad wird das Thermometer heute erreichen. Da ist man mit einer Mütze oder einem Hut gut bedient. Bei dem Tempo, das Annes Fahrer an den Tag legen, macht es allerdings Sinn, seine Kopfbedeckung gut festzuhalten. An unserem ersten Stopp begrüßt uns Tscharls.

Der Kapverdianer führt heute die Gruppe, weil seine Chefin im wohlverdienten Osterurlaub ist. Er macht das sehr charmant und betont immer gerne, wie schlecht sein Deutsch sei. Kein Wort davon ist wahr. Er spricht ausgezeichnet. Wie groß der Wahrheitsgehalt seiner Aussage ist, man könne in dem kleinen Hügel, der vor uns aufragt einen Löwen erkennen, bleibt unklar. Unsere Mitreisenden sehen alles, vom Seehund bis zum Bernhardiner. Nur eben nicht den Löwen, der der Erhebung ihren Namen gibt.

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Hafenstadt Palmeira

Von dort aus geht es offroad weiter. Der Staub setzt sich schnell auf den Kleidungsstücken und dem ganzen Körper fest.

An unserem nächten Halt mit einer mehr wirklich öffentlichen Toilette erzählt uns Tscharles, was uns auf unserer Tour erwartet.

Und das ist eine ganze Menge. Auf unserem Pickup haben wir mit den neuen „Freunden“ viel Spaß und fahren weiter in Richtung der Hafenstadt Palmeira. 112 Meter lang ist der Hafenkai, an dem immerhin Schiffe bis zu 600 Bruttoregistertonnen anlegen können.

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Von hier aus wird die Insel mit vielen Produkten versorgt. Für reine Selbstversorgung fehlt es auf dem kleinen, kargen Eiland in vielen Bereichen an grundlegenden Voraussetzungen. Das fängt schon mit der Wasserknappheit an. Deshalb gibt es in Palmeira seit mehr als 30 Jahren eine Meerwasserentsalzungsanlage durch die der Hauptort Espargos und der Flughafen mit Wasser versorgt werden.

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Blaues Auge

Von dort ab geht es mit dem Pickup weiter über „naturbelassene Wege“ zur Buracona. Sie liegt im Nordwesten der Insel, unmittelbar neben dem 263 Meter hohen Monte Leste, einer der wenigen Erhebungen auf Sal.

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Dort soll man ein Highlight der Insel Sal bestaunen können: das blaue Auge. Der Eintritt von 3 Euro ist für das Naturerlebnis nicht zu hoch, beinhaltet es doch nicht nur die zwischen 11 und 13 Uhr sichtbare türkisfarbene Sonnenspiegelung in einer kleinen Höhle, sondern auch wunderbare Ausblicke auf die Lavalandschaft und das Meer. Dazu kann, wer mag, ein einem von der Natur geschaffenen Becken schwimmen, während die Wellen nebenan an den hohen Felswänden brechen und eine feinperlige Gischt erzeugen.

Auf dem Weg zum blauen Auge kommt man an Händlern vorbei, die kapverdische und afrikanische Kunst anbieten. Insbesondere einige schöne Masken waren darunter zu finden. Eine knappe halbe Stunde Geduld müssen wir aufbringen, weil immer nur etwa 6 Personen gleichzeitig zum blauen Auge vorgelassen werden.

Es ist tatsächlich eine sehenswerte Lichtspiegelung, die wir hier vorfinden. Nach wenigen Augenblicken müssen wir dann allerdings weiter, denn wir haben noch viel vor an diesem Tag.

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Das blaue Auge.

Fata-Morgana

Mit einer Paris-Dakar-Einlage geht es weiter. Mit Vollgas treiben unsere Fahrer die Wagen über die Wüstenpiste, um uns dann auf eine nahgelegene Oase aufmerksam zu machen.

Verlockend lässt sie erfrischendes Wasser im flirrenden Licht der Wüste erwarten. Eigentlich klar, dass das im Zeitalter von Donald Trump nichts anderes als Fake-News sind. Was wir hier sehen ist eine Fata Morgana.Ein echtes Naturerlebnis.

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Fata Morgana auf Sal.

Jardim Anne

Der nächste Stopp ist in dem von Anne selbst gegründeten Kinderzentrum „Jardim Anne“ (Annes Garten) in der Barackensiedlung Terra Boa.

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Die Siedlung Terra Boa, unweit der Hauptstadt von Sal.

Seit sieben Jahren engagiert sich die Deutsche hier für die Straßenkinder und stellt so sicher, dass sie durch den gemeinnützigen Verein, dem AACTB, Zugang zu Bildung und Nahrung erhalten. 10 Prozent des Umsatzes von Annes Info-Point gehen monatlich in das Projekt, das inzwischen von vielen Gästen und Förderern unterstützt wird. So finanziert es einen Kindergarten, Schulbus, Nahrung für alle Kinder in der Siedlung sowie Schulmaterialien. Über all das werden wir gerne in einem gesonderten Beitrag berichten.

Große Saline

Über befestigte Straßen zu fahren ist langweilig. Deshalb führt uns unser Weg weiter über Sandpisten oder Stock und Stein.

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Dabei kommen wir an den Salinen von Pedra de Lume vorbei, der einzigen Salzgewinnungsanlage, die in einem ehemaligen Vulkankrater liegt.

Auf dem Kraterrand halten wir an und schauen auf die ehemals zum industriellen Salzabbau genutzte Anlage, die allerdings seit 1984 nur noch für eine minimale Eigenproduktion genutzt wird. Sehenswert ist noch heute die mehr als einen Kilometer lange Seilbahn, die bereits im Jahre 1922 errichtet wurde und mit der man 25 Tonnen Salz pro Stunde zu dem Hafen von Pedra de Lume transportieren konnte.

Haialarm

Haialarm heißt es dann auf unserem weiteren Weg. Mit unseren Pickups fahren wir zur Ostküste der Insel, um dort Bekanntschaft mit den Riffhaien zu machen.

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Das ist eine Gattung, unter der man verschiedene Arten zusammenfasst. Riffhaie sind meist scheu und für Menschen eigentlich nicht gefährlich. Allerdings entwickeln einige Arten ein territoriales Verhalten und greifen an, wenn sich in ihrem Territorium bedroht oder in die Enge getrieben fühlen. Mit den vielen Touris, die hier am Strand unterwegs sind, würde ich mich als Hai ja schon in meinem Territorium bedroht fühlen. Dennoch sehen wir nur Flossen und die Haie verharren in einem respektvollen Abstand.

Sehenswert sind aber auch die anderen Tierchen, die wir auf dem Weg zu den Haien im flaschen Wasser bestaunen können.

Dieser Haibesuch ist die einzige kleine Kritik, die ich an der Tour habe. Bei Ebbe, bei der wir unterwegs sind, ist der Weg zu den netten Tieren, der durch flaches Wasser und unwegsame und zum Teil glitschige Steine führt, schon eine echte Herausforderung und nicht für jeden gut zu bewältigen. Selbst wenn einem so gut geholfen wird wie uns, durch den Guide am Haifischstrand. Aber probiert es selber aus. Spaß mach es alle Male und auch von uns ist keiner bei den Haien geblieben.

 

Hunger nach den Haien

Nach so vielen Impressionen beginnt den essverwöhnten Touristen der Hunger zu übermannen. Deshalb ist es gut, dass wir uns gegen 15 Uhr auf den Weg zum Mittagstisch begeben. Beim Blick von außen auf das Restaurant besteht auf unserem Pickup die einhellige Meinung: Da würde ich nicht reingehen.

Nun sieht die aus Brettern und Plastikplanen zusammengenagelte Bude von außen tatsächlich nicht besonders einladend aus. Im Innern werden wir dann aber durch den unerwartet charmanten Ausbau, der einen eigenen Charakter in sich trägt, angesprochen.

Dazu kommt, dass die vorher getroffene Wahl zwischen den gut gewürzten Hähnchenschenkeln und dem Fisch, der noch am Vormittag im Atlantik gebadet haben muss, sich in jedem Fall als geschmacklicher Volltreffer erweist.

Salzbad

Weiter geht es, zurück in Richtung Santa Maria. Wir passieren eine Dünenlandschaft, sehen wunderbare Strände, an denen sich kein Mensch tummelt und fahren dann über eine Straße, die an einen Pass in den Alpen erinnert. An der Costa da Fragata haben die Kite-Server ihr Paradies gefunden, den legendären „Kite-Beach“.

Ehe es wieder in die Hotels geht, haben wir noch die Chance in dem kleinen Salzsee der Salinen von Santa Maria zu baden.

Tour-Fazit

Der Naturtrip ist eine wunderbare Tour, bei der man die Höhepunkte der Insel Sal kennen lernen kann. Auch für Kinder ist sie ein echtes Erlebnis. Und alles für einen richtig guten Preis, gerade beim Blick auf die Mitbewerber. Bei Anne kostet die Fahrt pro Person 49 Euro. Kinder bis 11 Jahre zahlen 25 Euro. Mehr im Netz zum Touranbieter unter https://www.annes-insel-info.de/.

Prädikat:  Sehr lohnenswert. *****7berge7meere-Sterne.

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Und gegen den Durst haben Anne und ihr Team auch immer ein Bier an Bord.
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Geschrieben von wukomm

Kommunikations- und PR-Berater, Journalist und Blogger. Als Kind des Ruhrgebiets immer für ein offenes Wort zu haben.

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