Wenn man etwas über Rügen schreiben will, kommt man an Prora nicht vorbei. Die Geschichte des Bau-Komplexes direkt am wunderschönen Strand im Vorort des Urlaubsortes Binz ist ein Mahnmal gegen ein Jahrhundert zweier Diktaturen.

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20.000 Urlauber

Errichtet wurde der „Koloss von Prora“ von den Nationalsozialisten. Sie wollten hier für ihre Organisation „Kraft durch Freude“ ein Urlaubsparadies für 20.000 Menschen schaffen, die dort gleichzeitig Urlaub machen sollten. Prora ist ein Abbild des Verlustes an Personalität, der Vermassung des Menschen mit dem Ziel der umfassenden Durchsetzung einer Ideologie. Zwischen den Jahren 1936 und 1939 bauten die Nazis an ihrem Urlaubertraum. Der Krieg zog einen Schlussstrich unter das Vorhaben.

Um das Jahr 1950 machte sich dann gleich die zweite Diktatur auf deutschen Boden daran, den Koloss für sich nutzbar zu machen. Die „DDR“ begann mit dem Ausbau des baulichen Torsos und dem Umbau zu einer der monumentalsten Kasernenanlagen. In dem militärischen Sperrgebiet war das unbefugte Betreten des Strandes streng verboten.

Kasernenbauten der NVA

Die Seebad-Rohbauten, die zu Gästehäusern der Kraft durch Freude Ideologie werden sollten, zogen sich fast auf einer Länge von fünf Kilometern am Strand von Prora entlang. Heute sind noch fünf von ursprünglich acht Häuserblocks, die später zur „stalinistischen Großkaserne“ ausgebaut worden waren, vorhanden. Drei Blöcke wurden zwischen 1945 und 1949 bis auf wenige Segmente zerstört. Seit 2010 werden die Bauten verschiedenen Nutzungen durch unterschiedliche Investoren zugeführt.

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Dokuzentrum

In der südlichen Festplatzrandbebauung, neben dem ehemaligen Haus der NVA, befindet sich seit dem Jahr 2000 das Dokumentationszentrum Prora. Es wird in gemeinnütziger Vereinsträgerschaft betrieben und beschäftigt sich vorrangig mit der KdF Geschichte der Anlage. Die Ausstellung ist allerdings sehr textlastig und entspricht in der Nutzung von Medien eher dem Stand der frühen 70er Jahre.

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NVA-Museum

am9a0927_tonemappedAuf dem Gelände befindet sich auch ein Museum, das die Geschichte der „DDR“ umfangreich darstellt. Im KdF-Museum wird ein 18 Meter langes Modell von Prora gezeigt. Gleich nebenan bestaunen man ein KdF-Urlauberzimmer. Und fragt sich, wie man auf diesen 10 Quadratmetern Kraft durch Freude hätte gewinnen können.  Im Untergeschoss ist die DDR-Motorwelt untergebracht. Liebevoll restaurierte Motorräder aus „DDR“-Zeiten können dort besichtigt werden. Unter ihnen auch legendäre Zweiräder wie der „Berlin Roller“ oder die „Schwalbe“. In den 40 rekonstruierten Räumlichkeiten des NVA-Museums führen ehemals hier stationierte Volksarmisten interessierte Besucher herum und erklären die Exponate.

Was nutzt das Mahnmal heute?

Eines wird der Betrachter dieses Kolosses dikatorischen Wahnsinns aber auch aktuell in den Blick nehmen müssen. Als Mahnmal für heutige Generationen wirkt der Bau offenbar nicht mehr. Populistische Ideologien werden hier offenbar nach wie vor geschätzt. Bei der Landtagswahl 2016 machte jeder vierte Wähler auf Rügen sein Kreuz bei der AfD.

Fotos: WuKomm (Heinrich und Claudiua Wullhorst)

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Geschrieben von wukomm

Kommunikations- und PR-Berater, Journalist und Blogger. Als Kind des Ruhrgebiets immer für ein offenes Wort zu haben.

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