In unserer Serie über die Häfen im Mittelmeer dreht sich heute nur wenig um Livorno. Die am Tyrrhenischen Meer gelegene Provinzhauptstadt mit 159.219 Einwohnern, ist selbst nicht sonderlich interessant. Jedoch kann man von hier aus wunderbare Ausflüge zu den Perlen der Toskana unternehmen.

Stadt mit Turm

Eine dieser Perlen ist Pisa. Die Fahrt mit dem Bus beim Ausflug vom Schiff aus, dauert etwa 45 Minuten, nach Florenz ist man doppelt so lang unterwegs. Die beste Mischung für den Tagesbesucher ist sicherlich eine Kombination aus Pisa und dem nahe gelegenen idyllischen Lucca.

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Der Fluss Arno verbindet Pisa mit Livorno.

Besonders sehenswert in Pisa ist das bauliche Ensemble, das aus dem berühmten schiefen Turm, dem angrenzenden Dom und dem Baptisterium besteht.

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Trias: Baptisterium, Dom, Turm

Santa Maria Assunta

Der „Mariä-Himmelfahrts-Dom“ ist das prägende Gebäude in der pittoresken toskanischen Stadt. Er ist ein eindrucksvoller Beleg für die mittelalterliche Baukunst Italiens und gilt – neben dem Markusdom in Venedig – als einer der ersten Monumentalbauten seiner Zeit. Der Schwemmboden unweit der Stadtmauer, auf dem der Kirchenbau im Jahre 1063 begann, führte dazu, dass bereits das Gotteshaus früh eine leichte Neigung nach Osten einnahm.

Neu in der Gestaltung italienischer Kirchen war die kreuzförmige Grundfläche der Kathedrale. Heute wird die fünfschiffige Basilika gekrönt von einer elliptischen Kuppel. Sie bildet eine in späteren Bauphasen vorgenommene gotische Ergänzung zur ursprünglichen romanischen Flachdecke. Die Fassade der Kirche entstand am Ende des 12. Jahrhunderts. Sie wurde zum Vorbild für viele Sakralbauten in der Toskana unter der Bezeichnung „Pisaner Romanik“.

Zeit für einen Rundgang nehmen

Im Innern des sehenswerten Gotteshauses sollte man sich die nötige Zeit für einen Rundgang nehmen. Stadtführer neigen oft dazu, ihre Gruppen durch die Schönheiten ihrer Stadt zu hetzen, so dass am Ende nur wenige Möglichkeiten bleiben, sie zu genießen, oder in Ruhe im Bild festzuhalten. Das wird im prachtvollen Dom zum echten Problem, will man ihn in seinen wunderbaren Details erfassen.

Bereits beim Betreten des Doms fällt in der komplett mit Fresken ausgemalten Apsis sofort das beeindruckende Mosaik des Christus Pankrator auf. Leider hat ein großer Brand am Ende des 16. Jahrhunderts den Innenraum der Kirche erheblich beschädigt. Bei der aufwändigen Restaurierung im 17. Jahrhundert entstand die vergoldete Kassettendecke neu.

Detailreiche Predigtkanzel

Beachtung verdient auch die wunderbare Predigtkanzel. Giovanni Pisano hat sie zwischen 1302 und 1311 geschaffen. Das sechseckige Objekt wird von elf Säulen getragen. In der Kanzel hat der Bildhauer Allegorien der sieben freien Künste und der christlichen Tugenden dargestellt. Dazu kommen ausdrucksstarke Reliefplatten mit Bibelszenen.

Beeindruckende Taufkapelle

Unmittelbar neben dem Dom befindet sich die wohl größte Taufkapelle, die in der Geschichte des Christentums errichtet wurde. Der Bau des Baptisterium begann im Jahre 1153. Sein architektonisches Vorbild ist die „Anastasis Rotunde“ des Heiligen Grabes in Jerusalem. Das achteckiges Taufbecken in der Mitte des 54 Meter hohen Gebäudes, stammt aus dem Jahre 1246. Wenig später entstand die Marmorkanzel von Nicola Pisano. Auffällig ist die Statue von Johannes dem Täufer, die sich seit 1929 im Baptisterium befindet.

Der nicht mehr so schiefe Turm

1171 sollte ein Campanile errichtet werden, der Turm, der Pisa bis heute große Berühmtheit sichert. Gleich zu Beginn des Baus machten sich die bereits bekannten bodenbedingten Senkungen erneut bemerkbar. So dauerte es bis ins 14. Jahrhundert hinein, ehe der Turm vollendet werden konnte. Die Neigung des Bauwerks soll es dem gebürtigen Pisaner Galileo Galilei ermöglicht haben, dort das Gesetz des freien Falls zu studieren. 55 Meter ist der Turm hoch, der einen Durchmesser von 12 Metern hat. Mehr als 14.000 Tonnen weißer Carrara-Marmor sind dort verbaut. Schon zur Zeit seiner Errichtung war er eine architektonische Besonderheit, weil er, anders als die meisten mittelalterlichen Türme in Italien, eine quadratische Bauweise hatte.

1990 wird den Stadtvätern Pisas ihr Turm zu schräg. Baustatiker werden angefragt, Lösungen zur Stabilisierung des Campanile zu entwickeln. In einer aufwändigen Sanierung über mehr als zehn Jahre gelingt es ihnen, die Schieflage des Turmes um 44 Zentimeter aufzurichten. Jetzt kann er seit Dezember 2001 wieder in Gruppen von maximal 40 Besuchern für die Dauer einer viertel Stunde bestiegen werden.

Wer den Turm nicht nur von außen besichtigen will, sollte sich
im Voraus Tickets besorgen. Über die Website http://www.opapisa.it/en ist das in englischer Sprache möglich.

Prägende Palazzi

Die Stadt selbst ist weniger spektakulär. Eine kleine Flaniermeile, Borgo Stretto genannt, schafft mit ihren Arkadengängen eine gemütliche Einkaufsatmosphäre. Dazu findet man einige interessante Plätze mit prunkvollen Palazzi. Dazu gehört sicher der Platz der Ritter, der Piazza dei Cavalieri.

Hier ist der Palazzo della Carovana. Vormals Ordenssitz der Pisaner Ritter, findet man in dem Renaissancebau heute eine bedeutenden Universitäten des Landes, die Scuola Normale Superiore di Pisa. Auch der Palazzo dell’Orologio befindet sich an dem Platz.

Mehr Infos

Weitere interessante Ausflugsorte vom Hafen Livorno aus, sind Lucca und Florenz.

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Geschrieben von wukomm

Kommunikations- und PR-Berater, Journalist und Blogger. Als Kind des Ruhrgebiets immer für ein offenes Wort zu haben.

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