„Heimat ist dort, wo unsere Ahnen begraben sind“, sagt ein Zitat aus dem Volksmund. Meist sind diese Erinnerungsstätten nur eine recht begrenzte Zeit lang ein Ort, an dem Menschen ihrer Trauer Ausdruck verleihen können. Abgelaufene Liegezeiten veranlassen dazu, das auf Zeit erworbene letzte Grundstück aufzugeben oder es – soweit möglich – für den nächsten Zeitabschnitt im Besitz zu halten.

Friedhof als Denkmal

Dann kommt irgendwann der Punkt, an dem wir dieses Stück Heimat, den Ort an dem unsere Eltern und Großeltern begraben waren, nicht mehr finden. Es sei denn, sie haben ihre letzte Ruhe auf dem „Alten Friedhof“ in Buer gefunden. Der schönste Gelsenkirchener Ortsteil im Norden der Stadt beherbergt einen 130 Jahre alten Gottesacker, der seit 1995 ein Denkmal ist. Nur so konnte er wahrscheinlich in seiner sehenswerten Form erhalten bleiben.

Lost Place

Der berührende Charme des letzten Weges ist es, der den Ort, der an einigen Stellen wie ein „Lost Place“ wirkt, besonders macht. Generationen von Bueranern haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Der Kirchhof an der Urbanuskirche bot nicht mehr ausreichend Platz für die wachsende Bevölkerung in dem Ort mit mehr als 3.000 Einwohnern. Also fand man 1819 ein Gelände zwischen der Königswiese und der Mühlenstraße, das aber 70 Jahre später ebenfalls nicht mehr ausreicht. Buer hat damals auch schon bald 8.000 Einwohner. So wurde der Friedhof an der Mühlenstraße 1886 eingesegnet. Die älteste Grabstätte hier stammt aus dem Jahr 1887.

Namen und Geschichten

Tritt man durch das schmiedeeiserne Tor auf den Friedhof, hat man einen weiten Blick über die parkähnliche Fläche. Viele der Namen auf den Grabsteinen sind die alter Bueranerinnen und Bueraner. Familien, mit denen ich, auch nach mehr als 30 Jahren Abwesenheit aus der Heimat immer noch Geschichten und Anekdoten verbinde. Die Nachbarin bei deren Beerdigung die falsche Grube ausgehoben war liegt dort ebenso wie der Begründer der Buerschen Zeitung. Einfache Grabsteine und prächtige Denkmäler großer Familiengruften wechseln einander ab.

Weg zurück

Bei meinem Weg über den alten Gottesacker finde ich das Grab meiner Großeltern. Der Grabstein ist verwittert und wird zum Teil von Sträuchern verdeckt. Ich bin eigenartig berührt in diesem Moment. Ich habe meine Großmutter gar nicht kennengelernt, da sie in einer Bombennacht des Zweiten Weltkrieges einen Schlaganfall erlitt, von dem sie sich nicht mehr wirklich erholte, so dass sie schon 1947 starb. Meinen Großvater kenne ich eigentlich nur von Fotos, auf denen er mich im Arm hält. Als er 1963 stirbt, bin ich gerade 2 Jahre alt. Dennoch berührt mich diese Begegnung und ich spüre in diesem Moment, dass Heimat wirklich dort zu sein scheint, wo unsere Ahnen begraben sind. Buer ist für mich immer Heimat geblieben und wird es immer sein.

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Besinnen auf die Wurzeln

Dieses Erlebnis zeigt mir: Es ist wichtig, dass wir Orte haben, an denen wir uns auf das zurückbesinnen können, das wir unsere Wurzeln nennen. Heimat und Familie taugen nicht als politische Kampfbegriffe. Heimat und Familie bleiben immer in unseren Herzen.

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Wunsch nach Farbe

Bei der Sichtung und Bearbeitung der Bilder habe ich darüber nachgedacht, ob ich die Reportage über den Alten Friedhof in Buer eher in Farbbidern oder in Schwarz-Weiss-Fotos dokumentiere. Ich habe mich für die S-W-Variante entschieden. Dennoch möchte ich den sehenswerten Friedhof auch noch einmal farbig abbilden. Deshalb hier noch eine Bildergalerie mit den gleichen Fotos in Farbe.

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Geschrieben von wukomm

Kommunikations- und PR-Berater, Journalist und Blogger. Als Kind des Ruhrgebiets immer für ein offenes Wort zu haben.

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