Am Karsamstag legen wir im Senegal an. Die Hauptstadt des westafrikanischen Landes, Dakar, ist unser Ziel. Verzogen haben sich die Wolken, die über den Kapverdischen Inseln den Himmel trübten. Es sind etwa 25 Grad, die in der strahlenden Sonne des afrikanischen Tages heißer erscheinen. Es ist ein angenehmes Klima, absolut geeignet für das anspruchsvolle Ausflugsprogramm, das wir uns vorgenommen haben.

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Hafen von Dakar.

Kassandrarufer überhören

Welche Kassandrarufe haben wir im Vorfeld des Aufenthalts im Senegal nicht gehört. Von umfangreichen Impfgeschichten, Horrorerzählungen von Malariagefahr und Gelbfiebersorge waren Menschen im Vorfeld der Tour getrieben. Natürlich haben wir auch unser Mückenspray mit tropentauglichen Ingredienzien dabei, aber wir sehen keine Mücke, die wir damit abschrecken könnten.

Andere Auguren haben die Armut im Senegal als Grund benannt, dort nicht von Bord zu gehen. Die Menschen würden sich von uns beobachtet fühlen, wie die Tiere im Zoo, wurde geunkt. Was uns allerdings in Dakar begegnet und zugleich überrascht, ist ein Land voller junger Menschen, die uns freundlich, ja geradezu herzlich gegenübertreten. Taschendiebe, vor denen man uns gewarnt hat, habe ich im mitteleuropaisch-zivilisierten Rom schon in Massen gesehen. Hier sind sie uns – zum Glück – nicht begegnet.

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Händler im Hafen von Dakar.

 

Augen nicht verschließen

Auch mag der Blick in ein solches Land genügen, einmal über den von uns so oft leichtfertig im Mund geführten Begriff des Wirtschaftsflüchtlings nachzudenken. Mir reicht das bei den vier Stunden der Stadtrundfahrt und beim  Rundgang durch einige Gegenden Gesehene, um nicht zum ersten Mal zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Armut so schwer wiegen kann, dass man bereit ist, seine geliebte Heimat zu verlassen, nur um ihr zu entfliehen und bessere Lebensumstände für sich zu suchen.

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Wuselige Lebendigkeit

Genug philosophiert: Wer noch nie die wuselige Lebendigkeit einer afrikanischen Großstadt erlebt hat, dem sei die Stadtrundfahrt durch Dakar ans Herz gelegt. Fröhliche, winkende Menschen findet man an vielen Ecken, dazu solche, die immer nur unterwegs zu sein scheinen. Andere sitzen an Straßenecken und -rändern und verkaufen etwas. Die Menschen reden miteinander und ergänzen ihre Dialoge mit Händen und Füßen. In jedem Fall sehenswert ist die Markthalle in Dakar. Hier findet man Früchte, Obst, Fisch und Fleisch und alle Gerüche, die eine solche Vielfalt zu bieten hat.

Weiter geht es mit unserem Reiseführer Babakar, der ein hervorragendes Deutsch spricht. „Das habe ich von Touristen gelernt“, beschreibt er lapidar. Wir erkunden verschiedene Stadtviertel der Metropole.

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Reiseführer Babakar in Dakar.

Hier lernt man viel über das Leben der Menschen, ihre vorwiegend sunnitische Religionsausübung, die Marabu- Bruderschaft und die Lebensverhältnisse der Menschen.  Nach den Angaben der Weltbank  leben etwa 40 % der Menschen im Senegal in so genannter „extremer Armut“. Das bedeutet, dass sie mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag auskommen müssen.

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Stadtviertel der Marabu-Bruderschaft mit Moschee (rechts).

Friede den Hütten

Von dieser Armut der Menschen und den Hütten, in denen sie zum Teil leben, hebt sich der Präsidentenpalast erwartungsgemäß deutlich ab. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass man den Präsidentenpalast eigentlich nicht fotografieren darf. Die dort lautstark mit der Trillerpfeife agierenden Polizisten haben es allerdings nicht verhindern können, dass dann irgendwie doch ein aus der Hüfte geschossenes Bild auf meinen Chip gelandet ist. Es gehört in meinen Augen einfach zur Chronistenpflicht, auch Unterschiede deutlich zu machen und ins Bild zu setzen.

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Präsidentenpalast.

Ansonsten gilt der ist der Senegal als politisch stabil. Das Land im äußersten Westen Afrikas wird seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich im Jahre 1960 ununterbrochen von einer zivilen Regierung geführt und verfügt über eine rechtsstaatliche Verfassung. Energieknappheit, Nahrungsmittelkrisen, ein starkes Bevölkerungswachstum und eine hohe Arbeitslosigkeit hemmen jedoch die Entwicklung des Landes. Dabei ist der Senegal ein sehr junges Land. Das Durchschnittsalter seiner Bevölkerung liegt bei etwa 19 Jahren.

Unterschiede

In den verschiedenen Wohnvierteln werden große Unterschiede deutlich. Es gibt Botschaftsviertel, in denen große Banken ihre repräsentative Gebäude errichtet haben, breite asphaltierte Straßen, aber eben auch Wellblechhütten und sandige und staubige Wege, sobald man die Hauptstraßen verlässt. Wie bereits beschrieben hat man in Dakar ständig das Gefühl, dass Menschen unterwegs sind um Waren anzubieten oder zu kaufen. Am deutlichsten wird das auf einer der Hauptverkehr Sachsen, die am großen Stadion in Dakar vorbeiführt, an dem an diesem Abend ein Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Senegal und Nigeria stattfindet. Hier nutzen Hunderte von Händlern einen Verkehrsstau, um zwischen den Autos durchzuschlüpfen und ihre Waren anzubieten.

Nach vier Stunden sind wir zurück auf Mein Schiff 4, allerdings nur für eine kurze Pause, nach der wir dann am Nachmittag zur Tierbeobachtung im Reservat Bandia unterwegs sein werden.

Weitere Links zu dieser Tour findet Ihr hier:

Kanaren, Kapverden, Senegal

All my bags are packed

Unterwegs mit Erdogan und Verspätung

Auf geht’s

Auf dem Weg zu den Kapverden

Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, …

Facebook becomes real

Mein Opa hat 52 Kinder

Afrikanische Sonne light

Karfreitag im Atlantik

Wir danken TUI CRUISES für die Unterstützung.

 

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Geschrieben von wukomm

Kommunikations- und PR-Berater, Journalist und Blogger. Als Kind des Ruhrgebiets immer für ein offenes Wort zu haben.

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